Analyse · Markt & Gesellschaft

Das Geschäftsmodell von Kündigungsportalen: kostenlos, bezahlt oder erfolgsabhängig

Kündigungsportale haben in fünf Jahren einen eigenen Markt gebildet. Wer bezahlt hier eigentlich wen — und was passiert, wenn eine gemeldete Kündigung nicht ankommt?
Laptop zeigt einen Prozess in mehreren Schritten, davor Bankkarten und Smartphone

„Kostenlos kündigen“ ist als Werbebotschaft weit verbreitet. In der Realität finanzieren sich Kündigungsportale auf sehr unterschiedliche Weise — und diese Weise bestimmt, was sie leisten und was nicht.

Drei Modelle

Kostenlos für den Nutzer, bezahlt vom Anbieter

Das Portal bekommt eine Vermittlungspauschale vom Anbieter — häufig dem neuen Anbieter, der einen Wechsel entgegennimmt. Solide Portale legen das offen. Nachteil: Die Beratung kann interessengeleitet sein.

Bezahltes Musterschreiben

Der Nutzer zahlt eine Einmalpauschale (typischerweise 5–15 €) für ein rechtlich geprüftes Kündigungsschreiben und dessen Versand. Der Preis ist klar, der Kunde ist der Kunde.

Erfolgshonorar

Der Nutzer zahlt einen prozentualen Anteil einer möglichen Rückerstattung. Häufig bei Reise- oder Versicherungsansprüchen. Der Anreiz ist stark, die Rechnung teuer.

Was Verbraucher wissen sollten

  • Zustellungsnachweis: Wichtig ist, dass der Nachweis der Kündigung dem Nutzer und nicht nur dem Portal vorliegt. Fragen Sie danach.
  • Kündigungsdaten: Manche Portale fragen sehr viele persönliche Daten ab. Prüfen Sie, was für die Kündigung tatsächlich nötig ist.
  • Rechtliche Absicherung: Ein Portal ist keine Kanzlei. Bei komplexeren Fällen — insbesondere Sonderkündigung, Widerruf, Rückforderung — bleibt die Verbraucherzentrale die belastbarere Adresse.

Marktentwicklung

Der Markt ist gewachsen, weil das Kündigungsbutton-Gesetz (§ 312k BGB) einerseits die eigenen Wege der Verbraucher erleichtert hat, andererseits ein Bewusstsein für die Komplexität geschaffen hat. Portale verkaufen im Kern die Entlastung von Aufmerksamkeit. Das ist ein legitimes Angebot — solange der Preis transparent ist.

Dieser Beitrag ordnet ein und ersetzt keine individuelle Beratung.

Joost van Leeuwen
Joost van Leeuwen berichtet über Zahlungsmärkte, Marktmodelle, Regulierung und die Rollen der Beteiligten in Zahlungsketten. Er ordnet ein, ohne pauschal zu werten — und macht Begriffe so präzise, dass ein Fall überhaupt beurteilt werden kann.