Geldpolitik · Banking

EZB hält Kurs. Die stille Priorität heißt jetzt Kreditkanal.

Nach der Ratssitzung von Ende Januar wird deutlich: Die Notenbank setzt weniger auf öffentliche Signale, mehr auf die Transmission in den Kreditmarkt. Für Institute bedeutet das: die eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt.
Zinskurven-Diagramm auf Papier mit Euro-Münzen und Bleistift

Die Sitzung des EZB-Rates am 29. Januar hat weniger Aufmerksamkeit erhalten als andere Termine des vergangenen Jahres. Genau darin liegt ihre Bedeutung. Die Notenbank hat sich nach eigener Darstellung in eine Phase begeben, in der die Marktkommunikation zurücktritt und die Arbeit an der Transmission der Geldpolitik in den Vordergrund rückt.

Ein Kurs, der sich in Datenpunkten definiert

Christine Lagarde hat auf der Pressekonferenz erneut betont, dass jede weitere Entscheidung datenabhängig sei. Die Formulierung ist inzwischen ritualisiert, in der Sache aber ernster gemeint als in früheren Jahren. Die Frage ist nicht mehr, ob Zinsen sinken, sondern wie stark der Kreditkanal auf gefallene Refinanzierungssätze reagiert.

Was Institute daraus ableiten sollten

Für die deutschen und südeuropäischen Institute bedeutet dies zweierlei. Erstens: die operative Marge, die aus dem starken Zinszyklus 2023–2025 stammt, verengt sich planbar. Zweitens: die Fähigkeit, Kredite bonitätsgerecht und trotzdem preisdiszipliniert zu vergeben, wird zum entscheidenden Wettbewerbsmerkmal.

Der Blick nach vorn

Die eigentliche Belastungsprobe steht bevor: der zweite Bank-Lending-Survey des Jahres, der die tatsächliche Reagibilität der Kreditvergabe messen wird. Bis dahin gilt: Ruhe im Ton, Präzision in der Steuerung.

Florian Weber
Volkswirt und ehemaliger Ökonom der Deutschen Bundesbank. Schreibt seit über fünfzehn Jahren über europäische Geldpolitik, Bankenaufsicht und die institutionelle Architektur des Finanzsystems.